Von Volker Seifert

Gert G. von Harlings Buch „Von Jägern und Gejagten“ bietet weit mehr als eine einfache Erzählung aus dem Jagdmilieu. Es verbindet kriminalistische Spannung mit tiefgehenden Reflexionen über die Veränderungen in der Jagdkultur und lädt den Leser zu einer nachdenklichen Reise ein.

Inhalt und Aufbau

9783275023158Im Zentrum des Buches stehen die abendlichen Gespräche zwischen dem Autor und seinem Jagdfreund Georg von Borstel, die in einer gemütlichen Jagdhütte vor dem Kamin stattfinden. Diese Dialoge dienen als Rahmen für die Erörterung eines Mordfalls im russischen Jagdmilieu, der jedoch nur die Oberfläche der Erzählung bildet. Vielmehr nutzen die beiden Protagonisten den Kriminalfall als Ausgangspunkt, um über die tiefgreifenden Veränderungen in der Jagdkultur zu diskutieren. Sie beleuchten den Wandel von traditionellen Werten hin zu einer technisierten und oft entmenschlichten Jagdpraxis und hinterfragen, was von der ursprünglichen Ethik des Waidwerks geblieben ist.

Stil und Sprache

Von Harling schreibt in einer klaren und dennoch atmosphärischen Sprache, die den Leser unmittelbar in die Szenerie der Jagdhütte versetzt. Die Dialoge zwischen den beiden Freunden sind authentisch und regen zum Nachdenken an. Der Autor vermeidet es, belehrend zu wirken, sondern lässt vielmehr Raum für eigene Reflexionen.

Themen und Botschaft

Ein zentrales Thema des Buches ist der Verlust traditioneller jagdlicher Werte und Praktiken. Von Harling und von Borstel erinnern an Zeiten, in denen Jäger körperlich, geistig und ethisch gefordert waren, und kontrastieren dies mit der heutigen Jagdpraxis, die oft von hocheffizienter Technik und einem Managementdenken geprägt ist. Das Buch ist somit nicht nur eine Hommage an die Jagd vergangener Tage, sondern auch ein Appell, die echten Wurzeln der Jagd zu bewahren und zu reflektieren, was in der modernen Zeit davon Bestand haben sollte.

 

Fazit

„Von Jägern und Gejagten“ ist ein bemerkenswertes Werk, das weit über eine einfache Jagderzählung hinausgeht. Es verbindet Spannung mit philosophischer Tiefe und regt dazu an, über die eigenen Werte und die Zukunft der Jagd nachzudenken. Ein Buch, das nicht nur Jäger, sondern alle Leser anspricht, die sich für Tradition, Ethik und den Wandel von Kulturen interessieren.

Das Buch wird durch zahlreiche Werke des Malers Reiner Schmidt-Arkebek bereichert, die die Inhalte visuell untermalen und stimmungsvoll ergänzen.


Gert G. von Harling: Von Jägern und Gejagten. Kamingespräche in der Jagdhütte.
Stuttgart: Müller Rüschlikon Verlag, 2024